In dieser Geschichte
  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Die neuen deutschen Filme im Überblick: Die wichtigsten Starts in der Tabelle
  3. Der Berlinale-Triumph: Gelbe Briefe
  4. Das Cannes-Wunder: In die Sonne schauen
  5. Inselkindheit im Frühjahr 1945: Amrum
  6. Jazzgeschichte als Spielfilm: Köln 75
  7. Leises Kino von Christian Petzold: Miroirs No. 3
  8. Die Bestseller-Verfilmung: 22 Bahnen
  9. Warum das deutsche Kino gerade so stark ist
  10. Häufige Fragen zu neuen deutschen Filmen

Neue deutsche Filme haben gerade eine der stärksten Phasen seit Jahren: Ein deutscher Film gewann im Februar 2026 den Goldenen Bären der Berlinale, ein anderer holte 2025 in Cannes den Preis der Jury und räumte danach beim Deutschen Filmpreis alles ab, und der deutsche Oscar-Beitrag schaffte es bis auf die Shortlist der Academy. Dazu kommen eine Jazzgeschichte von der Berlinale, ein Inseldrama von Fatih Akin, ein stiller Petzold und die Verfilmung des größten deutschen Romandebüts der letzten Jahre. Diese Übersicht stellt die sechs wichtigsten neuen deutschen Filme der Jahre 2025 und 2026 vor – mit Kinostarts, Premieren, Preisen und allen Hintergründen aus nachprüfbaren Quellen (Stand: Oktober 2026).

„Premiere von „Amrum“ bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 – Foto: Martin Kraft, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0“

Die neuen deutschen Filme im Überblick: Die wichtigsten Starts in der Tabelle

FilmKinostart (Deutschland)RegieFestival / Auszeichnung
Gelbe Briefe5. März 2026İlker ÇatakGoldener Bär der Berlinale 2026
In die Sonne schauen28. August 2025Mascha SchilinskiPreis der Jury in Cannes 2025, deutscher Oscar-Beitrag
Amrum9. Oktober 2025Fatih AkinPremiere in Cannes 2025 (Cannes Première)
Köln 7513. März 2025Ido FlukBerlinale Special Gala 2025
Miroirs No. 3September 2025Christian PetzoldQuinzaine des Cinéastes, Cannes 2025
22 Bahnen4. September 2025Mia Maariel MeyerGilde-Filmpreis, beste Literaturadaption (Hessischer Filmpreis)

Auffällig an dieser Auswahl: Fünf der sechs Filme feierten ihre Premiere auf einem der drei großen Festivals in Berlin oder Cannes – und sie decken alles ab, vom politischen Drama über das Generationenepos bis zur Literaturverfilmung für ein junges Publikum.

Der Berlinale-Triumph: Gelbe Briefe

Der größte Erfolg des jungen Kinojahres kommt aus Berlin: „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak feierte am 13. Februar 2026 im Wettbewerb der 76. Berlinale Weltpremiere – und gewann den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Festivals. Çatak, dessen „Das Lehrerzimmer“ 2023 den Deutschen Filmpreis in Gold holte und für den Oscar nominiert war, erzählt diesmal auf Türkisch: Derya (Özgü Namal) und Aziz (Tansu Biçer), ein gefeiertes Künstlerehepaar aus Ankara, geraten nach der Premiere ihres Theaterstücks ins Visier des Staates, verlieren Arbeit und Wohnung und müssen in Istanbul bei Aziz‘ Mutter unterkommen.

Das Drehbuch schrieb Çatak gemeinsam mit Ayda Çatak und Enis Köstepen, die Kamera führte Judith Kaufmann. Der Film kam am 5. März 2026 im Verleih von Alamode Film in die deutschen Kinos und wurde 2026 zusätzlich mit dem Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke ausgezeichnet. Für Çatak ist es der zweite große Festival-Coup in Folge – und für das deutsche Kino der Beweis, dass seine Regisseure auch in anderen Sprachen und Erzählwelten ganz oben mitspielen.

Das Cannes-Wunder: In die Sonne schauen

Noch weiter trug es „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski. Das Epos über vier Generationen von Mädchen und Frauen, die über ein Jahrhundert hinweg mit demselben Vierseithof in der Altmark verbunden sind, eröffnete im Mai 2025 den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes und gewann dort den Preis der Jury (ex aequo). In den Hauptrollen sind unter anderem Hanna Heckt, Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Susanne Wuest, Luise Heyer und Lea Drinda zu sehen; das Drehbuch von Schilinski und Louise Peter war bereits 2023 mit dem Thomas-Strittmatter-Preis ausgezeichnet worden.

Gedreht wurde im Sommer 2023 in Neulingen bei Arendsee in der Altmark – genau jener Landschaft, in der der Film spielt. Der Kinostart in Deutschland folgte am 28. August 2025 im Verleih von Neue Visionen, rund 350.000 Zuschauer sahen den Film hierzulande. Deutschland schickte „In die Sonne schauen“ als seinen Beitrag ins Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film: Im Dezember 2025 erreichte er die Shortlist der letzten 15, eine Nominierung blieb aus.

Dafür folgte beim Deutschen Filmpreis ein Triumph ohne Beispiel: Der Film gewann alle zehn Kategorien, in denen er nominiert war, darunter Bester Film, Beste Regie und Bestes Drehbuch, und erhielt acht Nominierungen für den Europäischen Filmpreis.

Neue deutsche Filme – Paula Beer, Hauptdarstellerin von Miroirs No. 3
„Paula Beer, Hauptdarstellerin von „Miroirs No. 3″ – Foto: Martin Kraft, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0“

Inselkindheit im Frühjahr 1945: Amrum

Fatih Akin, der mit „Gegen die Wand“ und „Aus dem Nichts“ Festivalgeschichte schrieb, lieferte 2025 seinen leisesten Film: „Amrum“ basiert auf den Kindheitserinnerungen des Regisseurs und Autors Hark Bohm, der gemeinsam mit Akin auch das Drehbuch schrieb. Im Frühjahr 1945, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, jagt der zwölfjährige Nanning (Jasper Billerbeck) auf der Nordseeinsel Amrum Robben, fischt nachts und arbeitet auf dem Hof, um seine aus Hamburg geflohene Familie zu ernähren – während seine Mutter, eine überzeugte Nationalsozialistin, hochschwanger ist und der Frieden alles verändern wird.

Zum Ensemble gehören Laura Tonke als Mutter Hille, Diane Kruger, Matthias Schweighöfer, Detlev Buck und Lisa Hagmeister; Hark Bohm selbst ist in einer kleinen Rolle zu sehen. Gedreht wurde ab 2024 in Hamburg, auf Amrum selbst und in Dänemark. Der Film feierte am 15. Mai 2025 in der Reihe Cannes Première seine Premiere und startete am 9. Oktober 2025 im Verleih von Warner Bros. in den deutschen Kinos.

Jazzgeschichte als Spielfilm: Köln 75

„Köln 75″ von Ido Fluk erzählt die wahre Geschichte hinter einer der berühmtesten Jazzplatten überhaupt: Als die 18-jährige Vera Brandes 1975 in Köln ein Konzert des Pianisten Keith Jarrett organisiert, geht fast alles schief – heraus kommt „The Köln Concert“, bis heute eines der meistverkauften Soloalben des Jazz. Mala Emde spielt Vera Brandes, John Magaro den Keith Jarrett, daneben sind unter anderem Alexander Scheer, Ulrich Tukur und Jördis Triebel zu sehen.

Der Film, produziert von ONE TWO Films und erschienen 50 Jahre nach dem Konzert im Januar 1975, feierte am 16. Februar 2025 in der Reihe Berlinale Special Gala seine Weltpremiere, startete am 13. März 2025 in den deutschen Kinos und war beim Deutschen Filmpreis als Bester Spielfilm nominiert. Brandes, die als Jugendliche in der Kölner Musikszene Konzerte veranstaltete und später eine erfolgreiche Produzentin wurde, bekommt mit Mala Emdes energiegeladener Darstellung ein spätes filmisches Denkmal.

Ein Musikfilm, der auch denen gefällt, die mit Jazz sonst wenig anfangen können – weil er weniger vom Konzert erzählt als von der jungen Frau, die es gegen alle Widerstände möglich machte.

Neue deutsche Filme – Mala Emde als Vera Brandes in Köln 75
„Mala Emde, Hauptdarstellerin von „Köln 75″, bei der Berlinale 2025 – Foto: Harald Krichel, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0“

Leises Kino von Christian Petzold: Miroirs No. 3

Christian Petzold bleibt der Meister der leisen Töne: In „Miroirs No. 3″ überlebt die Berliner Klavierstudentin Laura (Paula Beer) einen Autounfall, bei dem ihr Lebensgefährte ums Leben kommt, und findet Aufnahme bei einer Familie auf dem Land – Betty (Barbara Auer), ihrem Mann Richard (Matthias Brandt) und Sohn Max (Enno Trebs). Zwischen den vieren entsteht eine fragile Familienroutine, doch Laura stößt bald auf ein Geheimnis, das die scheinbar selbstlose Hilfe in ein anderes Licht rückt.

Der Titel verweist auf Ravels Klavierzyklus „Miroirs“, aus dem das Stück „Une barque sur l’océan“ im Film eine zentrale Rolle spielt; der Film bildet nach „Undine“ (Wasser) und „Roter Himmel“ (Feuer) den Abschluss von Petzolds Elementen-Trilogie – diesmal dem Element Luft gewidmet. Petzold besetzte zum vierten Mal in Folge Paula Beer in der Hauptrolle, die schon in „Transit“, „Undine“ und „Roter Himmel“ seine Protagonistin war; Philip Froissant, bekannt als Franz Joseph aus „Die Kaiserin“, spielt Lauras Lebensgefährten Jakob.

Die Premiere fand am 17. Mai 2025 in der Quinzaine des Cinéastes in Cannes statt, der deutsche Kinostart folgte Mitte September 2025 im Verleih von Piffl Medien. Mit nur 86 Minuten ist es der kürzeste und vielleicht konzentrierteste Film dieser Liste.

Neue deutsche Filme – Regisseur Christian Petzold
„Christian Petzold bei der Berlinale 2023 – Foto: Elena Ternovaja, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0“

Die Bestseller-Verfilmung: 22 Bahnen

Der Publikumsliebling der Auswahl ist „22 Bahnen“ von Mia Maariel Meyer nach dem gleichnamigen Debütroman von Caroline Wahl, der sich 2023 monatelang in den Bestsellerlisten hielt. Luna Wedler spielt Tilda, deren Tage streng getaktet sind: Studium, Job an der Supermarktkasse, Schwimmen – immer 22 Bahnen – und die Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier) und ihre alkoholkranke Mutter (Laura Tonke).

Als Tilda eine Promotion in Berlin in Aussicht steht und Viktor (Jannis Niewöhner) wieder auftaucht, gerät ihr Leben in Bewegung. Das Drehbuch schrieb Elena Hell. Der Film feierte am 24. August 2025 in München Premiere und startete am 4. September 2025 im Verleih von Constantin Film. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption beim Hessischen Film- und Kinopreis 2025 und dem Gilde-Filmpreis „Bester Film (junges Kino)“ auf der Filmkunstmesse Leipzig; inzwischen läuft er auch bei Netflix (Stand: Oktober 2026).

Neue deutsche Filme – Luna Wedler, Hauptdarstellerin von 22 Bahnen
„Luna Wedler, Hauptdarstellerin von „22 Bahnen“ – Foto: Martin Kraft, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0“

Warum das deutsche Kino gerade so stark ist

Dass gleich mehrere deutsche Produktionen innerhalb weniger Monate die Hauptpreise von Berlin und die Jurypreise von Cannes holen, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis zweier Entwicklungen. Zum einen trägt eine neue Regiegeneration das Kino: Mascha Schilinski, İlker Çatak und Mia Maariel Meyer drehen persönliche, formal eigenständige Filme, die international verstanden werden – daneben liefern etablierte Namen wie Fatih Akin und Christian Petzold weiterhin verlässlich Festivalware.

Zum anderen funktioniert das deutsche Fördersystem aus Filmförderungsanstalt, Länderförderungen und Senderbeteiligungen als Startrampe: „In die Sonne schauen“ entstand mit Mitteln der Mitteldeutschen Medienförderung und des Deutschen Filmförderfonds, „22 Bahnen“ mit Unterstützung von FFF Bayern, Medienboard und FFA. Entscheidend ist die Dichte: Wer 2025/2026 nur die sechs Filme dieser Liste sieht, bekommt ein vollständiges Bild davon, was deutsches Kino gerade kann – politisch, poetisch, historisch und unterhaltsam zugleich.

Häufige Fragen zu neuen deutschen Filmen

Welcher neue deutsche Film hat den Goldenen Bären gewonnen?

„Gelbe Briefe“ von İlker Çatak gewann im Februar 2026 den Goldenen Bären der 76. Berlinale. Der Film mit Özgü Namal und Tansu Biçer startete am 5. März 2026 in den deutschen Kinos.

Welcher Film war der deutsche Oscar-Beitrag 2025?

„In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski vertrat Deutschland bei der 98. Oscarverleihung. Der Film erreichte im Dezember 2025 die Shortlist der 15 besten internationalen Filme, wurde aber nicht für die Endrunde nominiert.

Welche neuen deutschen Filme kann man streamen?

„22 Bahnen“ läuft inzwischen im Abo von Netflix (Stand: Oktober 2026). Die Festivalfilme der Liste – „Gelbe Briefe“, „In die Sonne schauen“, „Amrum“, „Köln 75″ und „Miroirs No. 3″ – folgen dem üblichen Weg von der Kinoleinwand in die Mediatheken und zu den Streamern; die aktuellen Verfügbarkeiten wechseln je nach Anbieter.

Wann startete „Amrum“ in den deutschen Kinos?

Fatih Akins Inseldrama feierte im Mai 2025 in Cannes Premiere und startete am 9. Oktober 2025 in Deutschland. In den Hauptrollen sind Jasper Billerbeck, Laura Tonke und Diane Kruger zu sehen.

Welcher neue deutsche Film eignet sich für Jazz- und Musikfans?

„Köln 75″ erzählt die Entstehung von Keith Jarretts legendärem „Köln Concert“ von 1975 – mit Mala Emde als junger Konzertveranstalterin Vera Brandes und John Magaro als Jarrett.

Sind die neuen deutschen Filme auch etwas für ein junges Publikum?

Ja, vor allem „22 Bahnen“: Die Verfilmung von Caroline Wahls Bestseller über zwei Schwestern wurde auf der Filmkunstmesse Leipzig als bester Film des jungen Kinos ausgezeichnet und richtet sich mit Luna Wedler und Jannis Niewöhner klar auch an Zuschauerinnen und Zuschauer unter 30.

Quellen: Die deutschsprachige Wikipedia mit den Artikeln zu den einzelnen Filmen („Gelbe Briefe„, „In die Sonne schauen“, „Amrum (Film)„, „Köln 75″, „Miroirs No. 3″, „22 Bahnen“), filmportal.de, Berlinale- und Cannes-Archive, Deutscher Filmpreis (Abruf: Oktober 2026). Bildnachweise: alle Fotos via Wikimedia Commons, Autoren und Lizenzen sind im Beitragskopf und in den Bildunterschriften genannt.